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Emotionen, Teil 1. Wenn ich an Psychologie im Alltag denke, dann spielt der Begriff Emotion eine große Rolle. Kopfsache oder Bauchentscheidung? Weinst Du weil Du traurig bist oder bist Du traurig weil Du weinst? Was sind eigentlich Emotionen, wofür sind sie zuständig und sind sie bei allen Menschen gleich? Kulturübergreifend? Die Emotionsforschung versucht Antworten auf solche Fragen zu geben und ist ein weites Feld der Psychologie.

Was sind Emotionen? Jeder weiß, was Emotionen sind: Angst, Liebe, Scham, Hoffnung, Ärger, Wut, Hass und viele andere Gefühle. Aber wie ist der Begriff „Emotion“ definiert und ist jedes Gefühl gleichzeitig eine Emotion? Leider gibt es nicht die Antwort auf diese Frage. Es existieren zahlreiche Emotionstheorien, auf die ich noch eingehen werde, und mit jeder Theorie ist in gewisser Weise auch eine Begriffsdefinition verbunden. Der kleinste „gemeinsame Nenner“ definiert Emotionen als ein bestimmtes Gefühl, das sich durch zwei Dinge auszeichnet:

1) das Gefühl hat eine bestimmte Erlebnisqualität (spezifisch, wiedererkennbar)
2) das Gefühl ist objektbezogen (man ist z.B. auf jemanden wütend)

Emotionen unterscheiden sich durch ihre Objektbezogenheit, Dauer und Qualität von Stimmungen und Gefühlen. Eine Stimmung hält zwar länger an, ist aber weniger intensiv als eine Emotion. Im Gegensatz dazu ist ein Gefühl nicht zwangsweise objektbezogen, was bei einer Emotion der Fall ist. Man hat halt schonmal ein flaues Gefühl im Magen, ohne es auf irgendetwas beziehen zu können.

Was machen Emotionen aus? Es sind vier Komponenten, die bei dem Thema Emotionen eine wichtige Rolle spielen:

  1. Subjektives Erleben
    Jeder Mensch erlebt eine Emotion anders und auch die eigenen Emotionen sind nicht immer gleich – obwohl die Situation unter Umständen gleich ist. Ein Spaziergang in der Abenddämmerung führt nicht immer zu der selben Emotion. Zum Beispiel können Ereignisse der nahen Vergangenheit einen Einfluss auf den Emotionszustand haben; es macht bei diesem Abendspaziergang sicherlich einen Unterschied, ob ich gerade von einem Rendevouz komme oder soeben einen grausigen Horrorfilm im Kino gesehen habe.
  2. Motorischen Reaktionen
    Ob nun Emotionen motorische Reaktionen auslösen oder umgekehrt, sei an dieser Stelle mal dahingestellt. Eine wichtige Rolle spielen sie allemal und besonders der Gesichtsausdruck ist ein wichtiger Indikator für die aktuelle Emotion eines Menschen. Ein wutverzerrtes Gesicht sieht anders aus, als ein trauriges oder ein fröhliches Gesicht und jeder Mensch ist in der Lage mit wenig Aufwand ein entsprechendes Gesicht zu skizzieren und problemlos Mimiken Emotionen zuzuordnen.
  3. Physiologische Reaktionen
    Emotionen lösen nicht nur Veränderungen in der Mimik oder Körperhaltung aus, sondern verändern auch im Körperinneren unter Umständen einiges: Bei Wut erhöht sich bespielsweise die Herzfrequenz und die Hauttemperatur; bleibt die Haupttemperatur konstant, obwohl die Herzfrequenz ansteigt, ist dies ein Indiz für Trauer oder Furcht. Auch hormonelle Veränderungen können Folgen einer starken Emotion sein; z.B. werden bei Angst Cortisol und Adrenalin ausgeschüttet.
  4. Kognitionen
    Seit rund 50 Jahren (seit der sog. kognitiven Wende in der Psychologie) spielen die Denkprozesse und Bewusstseinsinhalte in der Emotionsforschung eine zunehmend wichtige Rolle. Es ist halt ein großer Unterschied, ob Du einem ausgewachsenen Löwen in einem Zoo begegnest, oder bei dem bereits erwähnten Abendspaziergang – da ist es plötzlich gar nicht mehr so wichtig, ob Du gerade einen Horrorfilm gesehen hast oder vom romantischen Rendevouz kommst. Das bedeutet, dass sich Emotionen nur schwer erklären lassen, wenn die Denkprozesse dabei nicht berücksichtigt werden!

Wozu sind Emotionen eigentlich gut? Dies ist eine ganz zentrale Frage der Emotionsforschung, aber auch die Antwort auf diese Frage hängt stark von der Theorie ab, innerhalb derer man sich während der Beantwortung bewegt. Allerdings haben sich im Laufe der Zeit zwei ganz zentrale Funktionen herauskristallisiert:

  1. Kommunikation
    Durch die Emotion verändern sich die Mimik und Körperhaltung. Hierdurch kann wortlos kommuniziert werden, denn andere können schnell erkennen, in welchem emotionalen Zustand sind ein Mensch befindet. Auch lassen sich Intention und zwischenmenschliche Beziehungen durch Emotionen vermitteln.
  2. Verhaltensvorbereitung
    Während Deines Abendspaziergangs stehst Du jetzt also plötzlich vor diesem Löwen, der Dich hungrig anschaut. Du kannst fliehen oder tapfer mit dem Löwen kämpfen – was Du aber nicht tun solltest ist stehen bleiben… Und damit Du genau das nicht tust, überkommen Dich in so einer Situation sehr starke Emotionen 😉

Sind Emotionen bei allen Menschen gleich? Ja und nein. Erst das nein: Emotionen sind nicht einmal bei ein und derselben Person immer gleich und haben eine sehr hohe Variabilität. Schau einfach mal in Dich hinein und überlege, auf wie viele unterschiedliche Arten Du in Deinem Leben schon Fröhlichkeit, Wut, Liebe oder was auch immer erlebt hast. Und jetzt berücksichtige noch, dass andere Menschen ganz andere Situationen erlebt haben und aufgrund ihres Charakters diese Emotionen grundsätzlich anders erleben als Du. So viel also zu den Unterschieden.

Dennoch gibt es enorme Übereinstimmungen! Paul Ekman ist einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Gesichtsausdrücke, und er hat insgesamt sieben basale Emotionen ermittelt, die wir leicht in einem Gesicht ablesen können: Furcht, Ekel, Freude, Überraschung, Verachtung, Ärger und Trauer. Versuche mal die Gesichter in der folgenden Collage diesen Emotionen zuzuordnen. Das ist genauso leicht, wie den Text in der Mitte zu entschlüsseln 😉
Emotionen Mimiken

Können nur Menschen aus unserem Kulturkreis diese Gesichtsausdrücke richtig deuten? Kaum zu glauben, aber es ist nicht so! In einer Studie wurden diese Gesichtsausdrücke einer analphabetischen Kultur Neu-Guineas (der Fore-Kultur) gezeigt. Die Fore hatten zuvor keinen Kontakt zur westlichen Kultur und dennoch wurden alle sieben Emotionen korrekt mit den dazu gehörigen Mimiken verknüpft – mit einer Ausnahme: Furcht und Überraschung wurden oft verwechselt; vielleicht weil sich dieses Urvolk oft fürchtet, wenn es überrascht wird. Danach wurden die Fore gebeten, Mimiken aufzusetzen, die zu bestimmten Emotionen passen. Die so entstandenen Fotos wurden Studenten in Amerika gezeigt und auch diese hatten keine Probleme damit, die Gesichtsausdrücken den dazugehörigen Emotionen zuzuordnen. Es überraschte die Forscher wenig, dass die Collegestudenten Probleme hatten, Furcht und Überraschung zu unterscheiden.

Und wie ist das bei Säuglingen? Auch das ist untersucht worden; sogar Kulturübergreifend. In einer Studie wurden 5 und 12 Monate alte Säuglinge aus den USA und Japan zu Hause besucht und jedem Kind wurden die Händchen über die Buche gefaltet. Die Reaktionen (Mimik und Geräusche) der kleinen Menschen waren immer sehr, sehr ähnlich. Allerdings haben neuere Forschungen mit 11 Monate alten Säuglichen aus China ergeben, dass schon in diesem Alter Unterschiede zu Kindern aus den USA oder Japan zeigen. Ein Indiz dafür, dass wir schon sehr früh kulturell beeinflusst werden.

Als Abschluss des ersten Teils ein Interview mit Paul Ekman.

Soweit also eine erste Einfühung in das Thema Emotionen. In Kürze geht es dann mit den verschiedenen Emotionstheorien weiter…

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