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Mein Bekannter Ernie ist ein hoffnungsloser Egoist, der nur durch Geld motiviert werden kann. Meine Bekannte Berta ist eine hoffnungslose Weltverbesserin, die sich nur dann in Bewegung setzt, wenn möglichst vielen Menschen geholfen werden kann und ihr Handeln etwas in der Welt verändert – die muss man ganz anders motivieren …. Aha! Aber was ist denn nun „Motivation“, was „motiviert Menschen“ und worin liegen die Unterschiede zum „Motiv“ und zu „zum Handeln motiviert zu werden“? Geld? Helfen? Überleben? Hunger? Alles oder nichts davon?

Über das Thema Motivation sind ganze Bücher geschrieben worden und wenn Du diesen Begriff bspw. in Wikipedia eingibst, dann wirst Du von Informationen erschlagen. In diesem Artikel geht es darum, die wichtigsten Begriffe und Ideen vorzustellen, so dass Du einen guten Einblick erhälst und dann bei Bedarf gezielt in die Detailthemen eintauchen kannst, die für Dich interssant sind.

Motivation ist, von Motiven zu einer Handlung motiviert zu werden.

Drei Mal die Silbe „Moti„, und dennoch steckt in diesem Satz viel drin. Die Motivation beschreibt den Zusammenhang zwischen Handlung, Zielen („Motiven“) und der Zielauswahl. Demnach reguliert die Motivation die Richtung, Intensität und Dauer des Verhaltens. Wie dieser Zusammenhang nun im Detail aussieht, beschreibt jede Theorie anders.

Es ist Freitag, 15:00 Uhr und unser Bekannter Ernie denkt darüber nach, was er mit dem Nachmittag anfangen kann. Was wird er tun, was motiviert ihn dazu und welches sind seine Motive? Für welches Ziel entscheidet er sich und welche Handlungen folgen daraus? Um die Handlung eines Menschen zu analysieren, ist es ganz hilfreich, wenn zwischen diesen verschiedenen Aspekten unterschieden werden kann – vielleicht hilft es dabei, die Situation oder das Handeln zu verstehen.

Ernie könnte es zum Beispiel wichtig sein, am Abend besonders ausgeruht zu sein, weil er zu einer Party eingeladen ist. Es könnte ihm aber auch wichtig sein, bei der Englisch-Klausur am Montag eine besonders gute Note zu erzielen, und es könnte ihm schließlich auch wichtig sein, mit seinen Freunden am Nachmittag Handball zu spielen. Der Phantasie sind bei diesen Überlegungen keine Grenzen gesetzt. Wovon hängt es aber nun ab, welche dieser Ziele Ernie auswählt und mit welcher Intensität er den damit verbunden Handlungen nachgeht? Eine zweifellos spannende Frage, die aber gar nicht so einfach zu beantworten ist.

Wie schon erwähnt, existieren verschiedene Theorien, die mit genau dieser Frage unterschiedlich verfahren. Aber in den allermeisten Motivationstheorien finden sich zwei Klassen von Bestrebungen:

1. Hin zur Belohnung (Appetetives Motivationssystem)
2. Weg von negativen Zuständen (Aversives Motivationssystem)

Ok, aber wie muss man sich das vorstellen? Bemühen wir noch einmal unseren Freund Ernie. Wenn Ernie sich für die Englisch-Klausur entscheidet, er an diesem Freitagnachmittag also Vokabeln auswendig lernt, damit er am Montag eine gute Klausur schreibt, dann kann dies aus zwei grundsätzlich unterschiedlichen Beweggründen erfolgen:

1. Ernie liebt die englische Sprache, er reist in drei Wochen nach England, und er betrachtet die Klausur als persönlichen Qualitäts-Check. Das „Du sprichst aber super Englisch!„, das er in England hören wird, ist das, was ihn antreibt. Darauf freut er sich und dafür lohnt es sich zu lernen …

2. Ernie hat Angst vor einer Ehrenrunde und braucht eine Klausurnote, die besser als „mangelhaft“ lautet. Was dahinter steckt ist die Angst, seine Freunde zu verlieren, weil diese in die selbe Klasse gehen wie er. Das will Ernie auf gar keinen Fall erleben, und wenn er dafür bis in die tiefe Nacht Vokabeln pauken muss, dann muss er dies halt tun …

Du siehst, das appetetive und das aversive Motivationssystem können zum selben Handlungsergebnis ausgerichtet sein; es kann aber dennoch ein großer Unterschied in der Art der Motivation vorliegen.

Wenn es also darum geht, das Verhalten eines Menschen zu verstehen, ist es ganz nützlich zu hinterfragen, ob es diesem Menschen darum geht, einen positiven Zustand zu erzielen oder ob es darum geht, einen negativen Zustand zu vermeiden. Ist es uns selbst immer 100%ig klar, warum wir etwas tun oder lassen? Besteht vielleicht die Gefahr, dass wir vor einer Niederlage Angst haben und deshalb mit einer Sache gar nicht erst anfangen? Dieses Nicht-Handeln dann aber damit erklären, dass wir uns für die Sache gar nicht interessieren? Es lohnt sich darüber nachzudenken.

Die Motive

Wenn wir Verhalten oder mögliches Verhalten analysieren, dann ist es auch interssant, sich über die Motive Gedanken zu machen. Auch die Motive lassen sich in mehrere Inhaltsklassen und Dimensionen kategorisieren.

Beginnen wir mit verschiedenen Motivdimensionen:

– tätigkeitsorientierte Motive vs. ergebnisorientierte Motive
– biogene Motive vs. soziogene Motive

Man spricht dann von einem tätigkeitsorientierten Motiv, wenn die Tätigkeit selbst motiviert. Wenn Ernie also unheimlich gerne Handball spielt, dann tut er dies in erster Linie nicht deshalb, weil er sich irgendetwas davon verspricht – es macht ihm einfach Spaß. Anders ist es bei den ergebnisorientierten Motiven. (Der Sport ist hierfür ein sehr gutes Beispiel.( Wie der Name schon sagt, liegen ergebnisorientierte Motive dann vor, wenn es Dir nicht um die Tätigkeit selbst geht, sondern um das Ergebnis. Wochenlang weniger zu essen macht nicht wirklich Spaß, aber der Gedanke, 10 Pfund weniger auf die Wage zu bringen motiviert halt …

Die zweite Dimension ist auch ganz logisch. Es gibt biogene Motive, die von der Situation und/oder dem Organismus abhängen: Hunger, Schlaf und so weiter. Auf der anderen Seite dieser Dimension stehen die soziogenen Motive wie zum Beispiel Macht, Leistung, sozialer Anschluss etc. Während biogene Motive in der Regel angeborene Motive sind, werden soziogene Motive erlernt.

Gehen wir noch einmal zu unseren Bekannten Ernie und Berta zurück. Er, ganz egoisitsch auf seinen persönlichen Spaß bedacht. Sie hingegen möchte die Welt verbessern. Ganz egal, was Ernie oder Berta nun tun, man kann es vor dem Hintergrund der vorgestellten Motivdimensionen analysieren. Wenn Ernie sich ein Pfund Fair-Trade-Kaffee kauft, dann können dieser Handlung ein tätigkeitsorientiertes (Der Kaffee schmeckt Ernie sehr gut) und soziogenes (Mensch Ernie, Du bist ja so ein fairer Typ, toll!) Motiv zugrundeliegen.

Kauft unsere Berta dieses Pfund Kaffee könnte lediglich ein soziogenes Motiv (Es kann nicht sein, dass bolivische Bauern hungern müssen, damit ich den Kaffee billiger einkaufen kann!) die Ursache dafür sein. Berta meint es halt so ernst, dass sie diesen Kaffee sogar kauft, obwohl er ihr schlechter schmeckt als der Nicht-Fair-Trade-Kaffee.

Motive regen also zu Handlungen an. Doch aufgepasst; dies bezieht sich auf mehr als nur die Ausführung selbst. Mann kann sie als psychophysische Disposition auffassen (Schneider & Schmalt, 1994) , die Dein gesamtes Erleben beeinflusst. Nehmen wir beispielsweise ein biogenes Motiv wie Hunger in einer Situation, in der Dein Magen leer ist. Wenn dieses Hunger-Motiv nun in Dir wirkt und Du dabei durch die Innenstadt läufst, wirst Du feststellen, dass Du am Ende Deines Spaziergangs ganz genau weißt, wo es was zu essen gibt. Jeder Bäcker wird Dir direkt ins Auge springen und den Duft von frischen Brötchen nimmst Du wahr, als wärst Du ein Schäferhund 😉

Du verstehst, was gemeint ist: Wenn ein Motiv vorliegt, dann beeinflusst es die Wahrnehmung (Beispiel Brötchenduft wahrnehmen), es beeinflusst die Aufmerksamkeit (Durstige Menschen entdecken den Cola-Automaten schneller als andere) und es beeinflusst die Emotionen (Wenn Du satt bist und das frische Brot riechst empfindest Du etwas anderes, als wenn Du dies in einem hungrigen Zustand tust).

Die Motive variieren stark, und zwar sowohl innerhalb eines einzelnen Menschen (intrapersonell) als auch personenübergreifend (interpersonell). Durst ist nicht gleich Durst, Müdigkeit ist nicht gleich Müdigkeit, Leistunsgsbereitschaft ist nicht gleich Leistungsbereitschaft und so weiter.

Fazit

Eine Handlung ist eine Handlung – oder doch nicht? Wenn man das Verhalten von Menschen, bzw. das eigene Verhalten verstehen möchte, dann gibt es eine Reihe von Dingen, die beachtet werden sollten, und einige davon wurden in diesem Artikel – hoffentlich gut verständlich – vorgestellt.

Wenn Du Dich also das nächste Mal über einen Menschen oder besser gesagt über das, was dieser Mensch getan hat, ärgerst, dann hilft es Dir womöglich, das Verhalten unter den genannten Gesichtspunkten einmal zu analysieren. Auf die selbe Art und Weise kannst Du natürlich auch Dein eigenes Verhalten unter die Lupe nehmen. Viel Spaß dabei!

Die Welt ist nicht immer so, wie sie einem erscheint 😉

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