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Mit dieser Frage hat sich Alan Turing bereits 1950 befasst und das als „Turing-Test“ in die Geschichte eingegangene Verfahren vorgeschlagen: Eine Person solle über die Tastatur mit einem Computer kommunizieren. Wenn diese Person nicht merkt, ob die vom Computer kommenden Sätze von einer andern Person eingegeben werden oder tatsächlich von einem Computerprogramm stammen, dann kann das Programm als intelligent angesehen werden.

Für Turing war allerdings klar, dass ein Computer niemals intelligent sein kann, sondern nur intelligent erscheinen kann. Heute würde man zunächst die Frage klären, was der Fragende unter Intelligenz versteht, bevor man ihm eine Antwort auf die o.g. Frage gibt 😉

Aber noch einmal zurück zu Alan Turing (Foto links), der ein bemerkenswerter Mensch war. Bereits 1936, lange also vor dem Computerzeitalter, hat er sich mit diesem Thema befasst und auf einer gedanklich-theoretischen Ebene eine Computer-ähnliche Maschine konzipiert, die als „Turing-Machine“ bekannt geworden ist.

Alan Mathison Turing wurde am 23. Juni 1912 in London geboren und starb am 7. Juni 1954 im Alter von nur 41 Jahren in Wilmslow. Turings Leistungen in der Schule waren bis zu seinem 16-ten Lebensjahr nicht gerade herausragend und sein Freundeskreis war eher klein. 1928 schloss er Freundschaft mit Christopher Morcom, der im zeigte, dass es sich lohnt, über seine Gedanken zu diskutieren, weil man so andere Standpunkte kennenlernt und damit neuen Zündstoff für die eigene Kreativität bekommt. Christopher Morcom teilte mit Turing die Leidenschaft zur Mathematik, starb aber bereits 1930.

Die tiefe Zuneigung, die Alan Turing für Morcom empfunden hatte, machte ihm deutlich, dass er homosexuell war. Als Turing wenige Jahre später an die Princeton University (USA ) kam, fühlte er, dass er „nach Hause“ gekommen war. Hier entwickelte er sich schnell weiter und seine Homosexualität stellte in der toleranten Universität kein Problem dar.

Neben der Turing-Machine und dem Turing-Test geht die Decodierung der Enigma-Codes im zweiten Weltkrieg auf das Konto Alan Turings. Während seiner Zeit in Bletchly Park erfand Turing zusammen mit W.G. Welchman eine Decordierungsmaschine und verkürzte den 2. Weltkrieg um zwei Jahre …

Die Genialität dieser Arbeit wird deutlich, wenn man sich klar macht, dass die Enigma Maschine im Prinzip wie eine Schreibmaschine funktionierte, allerdings nicht den gedrückten Buchstaben erzeugte, sondern einen anderen (den Code, halt) – und im Inneren der Maschine drehte sich die Mechanik der Enigma unmittelbar weiter, so dass beispielsweise ein „A“ innerhalb einer codierten Nachricht nicht immer mit demselben Ersatzbuchstaben codiert war. Der Decodierungscode änderte sich in jeder Nacht um 0:00 Uhr, so dass die meisten Menschen sagen würden, dass dieses Verfahren unknackbar ist, zumal Millionen von möglichen Kombinationsmöglichkeiten existieren. Aber wie gesagt, es hat ein Jahr gedauert und die Decodierungsmaschine konnte eine Million Kombinationen innerhalb von 6 Minuten durchprobieren.

Während der Zeit des kalten Krieges wurde Turing verhaftet, man warf ihm vor, Sex mit einem andern Mann gehabt zu haben. Turing gestand die Tat, ohne aber irgendeine Schuld zu akzeptieren. Er wurde dennoch verurteilt und hatte die Wahl zwischen Gefängnis und eine einjährigen Östrogenkur (weibliche Wachstumshormone, die den Sextrieb unterdrücken sollten). Durch die Hormonspritzen wuchsen ihm Brüste, und er wurde depressiv.

Während Turing ein eher unauffälliges Leben führte, inszenierte er seinen Tod. Er wurde von seiner Haushälterin tot in seinem Bett aufgefunden, mit Schaum vor dem Mund; er hatte sich mit Zyanid vergiftet. Seit vielen Jahren, so berichten Freunde, hatte Turing stets eine Melodie aus seinem Lieblingsfilm Schneewittchen (Walt Disney) auf den Lippen. Er starb mit einem angebissenen Apfel auf dem Nachttisch.

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