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Wenn Du Teil einer Situation warst und alles persönlich miterlebt hast, dann wirst Du davon ausgehen, dass das, was Du da beobachtet hast, die Realität war und dass alle um Dich herum das selbe gesehen haben. Es gibt allerdings zahlreiche Studien, die deutlich zeigen, dass das, was wir Menschen als „soziale Realität“ wahrnehmen, stark von unseren eigenen Zielen, Wünschen, Bedürfnissen und auch Erwartungen beeinflusst wird…

Sehen und erkennen wir in einer Situation alle das selbe?

Nein. Eine Situation läßt immer mehrere Interpretationen zu, die von uns konstruierte Wirklichkeit ist dabei nur in unserem Kopf und muss nicht zwangsweise das sein, was andere Menschen beobachtet zu haben (genauer: meinen, beobachtet zu haben).

Das Duncan-Experiment

Ein Experiment aus dem Jahr 1976 zeigt, was damit gemeint ist. Im Experiment wurde Versuchspersonen (weiße amerikanische Collegestudenten) ein Videofilm gezeigt, in dem zwei Männer unterschiedlicher Hautfarbe zunehmend heftig diskutierten, bis der eine den anderen schubste. Der Witz an diesem Video war das Ende, denn es gab zwei verschiedene Abschlussszenen: In dem einen Fall war der weiße Mann der „Täter“, der den Schwarzen schubste; im zweiten Ende war es umgekehrt. Wie üblich wurde verschiedenen Gruppen (Kontrollgruppe und Experimentalgruppe) die verschiedenen Abschlussszenen präsentiert.

Die Studenten sollten nun unter Verwendung vorgegebener Kategorien beurteilen, ob das Verhalten „eher scherzhaft“ oder „eher gewalttägig“ war. Die Antworten erstaunten die Forscher: Bei „schwarzen Tätern“ beschrieben 70% der Studenten das Verhalten als gewalttätig, dagegen bezeichneten nur 13% der Versuchspersonen das Verhalten als aggressiv, wenn es sich um einen „weißen Täter“ handelte …

Manipulierbarkeit der Antworten

In einem anderen Experiment wurde den Versuchspersonen ein Videofilm gezeigt, in dem sich ein Autounfall ereignete. Dass die Forscher auf die Frage nach der Geschwindigkeit zum Zeitpunkt des Aufpralls unterschiedliche Antworten bekommen würden, war klar.

Was in diesem Versuch aber untersucht wurde, das war die Manipulierbarkeit der Antwort durch die Frage. Und tatsächlich: Wurden die Versuchspersonen gefragt, wie schnell die Fahrzeuge fuhren, als sie „aufeinanderkrachten“, fiel die geschätzte Geschwindigkeit höher aus, als bei der Frage „wie schnell fuhren die beiden Fahrzeuge, als sie sich berührten„.

Das Thema „mit den eigenen Augen gesehen“ bleibt eine ganz spannende Sache 😉

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