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Vom 28. bis 30. Juni 1977 fand eine Arbeitstagung über „Attribution“ am Zentrum für interdisziplinäre Forschung der Universität Bielefeld statt. Die Teilnehmer waren keine Geringeren als Bernard Weiner, Harold H. Kelley, Fritz Heider und einige mehr. Das Buch „Bielefelder Symposium über Attribution“ enthält die Beiträge dieser Arbeitstagung und einer dieser Beiträge hat den oben genannten Titel und wurde von Harold H. Kelley (damals University of California, LA) vorgetragen.

Seit einigen Jahren schon habe ich das Gefühl, daß eine Untersuchung der Verfahren, die von professionellen Zauberkünstlern bei der Vorführung ihrer Zaubertricks benutzt werden, sehr aufschlußreich für die Sozialpsychologie sein könnte. Ich möchte die Gelegenheit ergreifen und hier mit dieser Analyse beginnen. (…) Im Einklang mit dem Thema dieser Tagung befaßt sich meine Analyse schwerpunktmäßig mit den Attributionsaspekten bei Zaubertricks. Es ist natürlich naheligend, einen solchen Weg einzuschlagen. Ein geglückter Zaubertrick ist sehr eng mit einem kausalen Attributionsprozeß verknüpft. Das Publikum, das den Trick beobachtet, sieht, wie scheinbar ein außergewöhnlicher Ursache-Wirkungszu-sammenhang abläuft. (…)

Die flüsternde Königin

Harold H. Kelley stellt in seinem Beitrag einen Kartentrick vor, wobei er zwischen der scheinbar kausalen Folge (SKF) und der tatsächlichen kausalen Folge (TKF) unterscheidet.

Schritt 1 – SKF: Zauberer bittet Zuschauer, Karten zu mischen. (TKF: keine)

Schritt 2 – SKF: Zauberer bittet Zuschauern, Lieblingskönigin anzugeben, Zauberer geht Kartenstoß durch, bis er zur angegebenen Karten kommt. Zauberer nimmt Karte aus dem Stoß und legt sie auf den Tisch mit Bild nach oben. (TKF: Zauberer merkt sich die oberste Karte, z.B. Herz Sieben)

Schritt 3 – SKF: Zauberer legt Kartenspiel wieder zusammen und unterteilt es in drei Stöße, die er mit Gesicht nach unten in eine Reihe nebeneinander legt. (TKF: Zauberer legt Sto0ß mit oberster Karten in die Mitte der Reihe.)

Schritt 4 – SKF: Zauberer bittet Zuschauer, einen der Stöße zu wählen und oberste Karte ohne Aufdecken auf den Tisch zu schieben. (TKF: Zauberer fragt: „Möchten Sie lieber einen der beiden äußeren Stöße oder den in der Mitte?“ Wählt der Zuschauer den mittleren, nimmt der Zauberer die beiden äußeren weg. Wählt der Zuschauer einen äußeren Stoß, sagt der Zauberer: „Gut, ich nehme den anderen.“ Oberste Karte des übriggebliebenen Stoßes ist in der Mitte, wird auf den Tisch geschoben.)

Schritt 5 – SKF: Zauberer schiebt Königin mit Gesicht nach oben unter Ecke der gewählten Karte. „So kann die Königin den Namen der Karte ablesen…“ (TKF: keine)

Schritt 6 – SKF: Zauberer hält Könign ans Ohr des Zuschauers und sagt, dass sie ihm Kartennamen zuflüstern wird. Zuschauer kann nichts hören. (TKF: keine)

Schritt 7 – SKF: Zauberer hält Königin an sein Ohr und empfängt und verkündigt die Flüsterbotschaft: „Herz Sieben!“ (TKF: verkündet den Namen der Karte, die er bei Schritt 2 gesehen hat.)

Schritt 8 – SKF: Zauberer deckt die gewählte Karte auf, und es zeigt sich die genannte Karte, nämlich Herz Sieben. Scheinbar hat die Königin die gewählte Karte gesehen, behalten und durch Flüstern bekannt gegeben (TKF: keine)

Eine sehr unterhaltsame Art, einen Vortrag zu eröffnen, oder? 🙂

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